| Zrinjski darf
weiter von der europäischen Krone träumen
12.07.01 - Nach dem Husarenritt in der Rückrunde der CL-Gruppenphase,
in der man sich noch sensationell auf den zweiten Platz katapultierte,
der den Einzug ins Achtelfinale um die europäische Krone bedeutete
und in der man unter anderem Stades Rennes, den Klub von Trainerlegende
Bodo Pfannenschwarz eine derbe Ohrfeige verpasste, wartete in der ersten
KO-Runde kein geringerer als der amtierende Meister einer der stärksten
TMI-Ligen - der FC Livingston aus Schottland. Trainerfuchs Weber gab sich
im Vorfeld zufrieden mit der Auslosung, durfte man doch zunächst auf
der Insel antreten, was gemeinhin als Vorteil gilt.
Die Schotten, derzeit als Tabellenletzter in der Meisterschaft mit erheblichen
Problemen, würden im eigenen Stadion aus einer sicheren Abwehr heraus
ihr ewig gestriges Kick-and-Rush aufziehen, resümierte der Volksheld
aus Mostar seine umfangreichen Analysen im Vorfeld. Dem Druck des Gewinnenmüssens
auf seiten der Schotten stellte Trainerlegende Weber - von Kennern der
Szene auch erfurchtsvoll als "Die Lichtgestalt" des europäischen Fussball
bezeichnet - eine klassische Kontertaktik entgegen. Doch wie so oft kam
alles ganz anders. Livingston ging früh in Führung und legte
nach der Pause schnell zum 2:0 nach. Zrinjski, bis zu diesem Zeitpunkt
erschreckend harmlos, schien bereits geschlagen, doch der Erfolgsgarant
auf der Bank der Bosnier zauberte wieder mal ein As aus dem Ärmel.
Er nahm Libero Verhijn Dertore vom Platz und brachte das erst 17-jährige
Eigengewächs Machden Instor als weiteren Stürmer. Und wieder
einmal bewies der Ehrenbürger und mehrfacher Träger des bosnischen
Verdienstordens sein goldenes Händchen. Mostar schnürte forthin
die Gastgeber in der eigenen Hälfte ein und erspielte sich Chance
um Chance. Selbst nach dem geradezu zwangsläufigen 1:2 - Anschlusstreffer,
der durch die EC-Arithmetik bereits eine gute Ausgangsposition für
das Rückspel bedeutete, zeigte sich das Team aus Mostar weiterhin
hungrig. Man spielte weiter mutig nach vorn und liess den Schotten kaum
Luft zum Atmen, so dass kurz vor Ende der Partie noch der alles in allem
verdiente Ausgleich erzielt werden konnte.
Startrainer Weber hatte in den folgenden Tagen alle Hände voll
damit zu tun, die noch blutjunge Truppe auf den Boden zu bringen und die
Euphorie zu
bremsen, zugleich jedoch die Moral des Hinspiels für den abschliessenden
Vergleich im heimischen Hexinskesselski-Stadion zu konservieren.
Weber brütete lange über Aufstellung und Taktik, wollte sich
auf kein Vabanque-Spiel einlassen und entschied sich schliesslich für
ein breites
5er-Mittelfeld, das die Räume des Gegner fühzeitig zustellen
sollte, um die gefährlichen Schotten gar nicht erst ins Spiel kommen
zu lassen. "Murphy's Law" diktierte die immer zu Scherzen aufgelegte Trainerkoryphäe
den Heerscharen der Journalisten später in die Mikrofone. Was war
passiert??
Die Schotten erwischten erneut den besseren Start und gingen durch
einen traumhaften Freistosstreffer mit 1:0 in Führung. Alle Taktik
war dahin. Die noch unerfahrenen Bosnier zeigten sich sichtlich geschockt
und überliessen den Schotten in der Folgezeit das Feld. Mit Glück
und Geschick verhinderte man bis zur Pause weitere Tore der Gäste,
die phasenweise geradezu leichtfertig mit ihren zahlreichen Einschussmöglichkeiten
umgingen.
Nach dem Wiederanpfiff ein unverändertes Bild; die Schotten machten
das Spiel und blieben jederzeit gefährlich. Mit der einzig gelungenen
Kombination in diesem Spiel markierten die Gastgeber dann wie aus heiterem
Himmel den Ausgleich und lösten damit einen Sturm der Begeisterung
auf den restlos überfüllten Rängen aus. In den letzten 10
Minuten verlegte sich Mostar ausschliesslich auf Halten des Resultats.
Die Schotten liefen blind an und versuchten es immer wieder aus der Distanz.
Die Minuten verrannen und als die Fans im weiten Rund bereits den Einzug
ins Viertelfinale der eurpäischen Königsklasse feierten, klatschte
noch einmal ein Ball der Schotten ans Aluminium - für einen Augenblick
war es totenstill im Stadion. Wenig später jedoch beendete der maltesiche
Unparteiische diese dramatische Partie. Nun gab es kein Halten mehr. Die
Fans stürmten den Platz und feirten ausgelassen mit ihren Idolen den
grössten Erfolg der Vereinsgeschichte. Bis in die frühen Morgenstunden
konnte man die Hupkonzerte
der kilometerlangen Autoschlangen bis weit über Mostars Grenzen
hinaus vernehmen.
Zrinjski ist also weiterhin dabei, den europäischen Thron zu besteigen.
Auf dem Weg dorthin wartet nun der englische Vertreter Queens Park Rangers
und auch hier darf man zunächst bei den Briten antreten. 'El Nino',
wie ein europäisches Fachblatt die bosnische Torfabrik unter der Woche
bezeichnete, zieht also erneut über die Insel - wir sind gespannt!
Michael Weber |
| Optimismus
vor dem Pyrenäen-Cup
07.06.01 - Rechtzeitig vor dem anstehenden Pyrenäen-Cup
konnte die bosnische Nationalmannschaft zu alter Stärke zurückfinden.
Nachdem Teamchef Strowig am vorangegangenen Wochenende besonderes Augenmerk
auf den Sturm legte, galt es nunmehr die Abwehr wieder zu festigen und
die
Nachwuchsspieler in das neue taktische Konzept einzubinden. Gegen Luxemburg
gelang dies bereits ansatzweise, jedoch kam man hier nicht über ein
1:1 hinaus. Patrick Ernst, der sich zur Zeit in bestechender Form präsentiert,
konnte seine Farben zwar früh in Führung bringen, doch nach knapp
20 Minuten stand das Ergebnis dieses wenig unterhaltsamen Kicks mit dem
Ausgleich von Loew fest. Insbesondere das "Umschalten von Abwehr auf Angriff
war ausschlaggebend", so Strowig, für die klare Leistungssteigerung
gegen Georgien. Nicht zum ersten Mal gelangen die Balkan-Brasilianer auch
in dieser Partie früh in Rückstand, doch der schnelle Ausgleich
von Weber sorgte für die nötige Ruhe. In der Folgezeit war die
Tormaschine der Bosnier von den hilflosen Georgiern nicht zu bremsen. Zunächst
bereitete Patrick Ernst uneigennützig den 2:1 Führungstreffer
durch Strowig vor, ehe Heiko Merz mit einem Freistosstorpedo für den
3:1 Endstand sorgte.
Bosnien blickt nun voller Optimismus auf die kommenden Aufgaben beim
Pyrenäen-Cup und hat sich das Erreichen des Viertelfinales nach den
letzten Erfolgen als Minimalziel gesetzt.
Michael Weber |