Bosnien-Herzegowina
     

 

 
Europapokal Zrinjski darf weiter von der europ. Krone träumen NEU 12.07.01
Nationalmannschaft Optimismus vor dem Pyrenäen-Cup 07.06.01

 
 
Zrinjski darf weiter von der europäischen Krone träumen

12.07.01 - Nach dem Husarenritt in der Rückrunde der CL-Gruppenphase, in der man sich noch sensationell auf den zweiten Platz katapultierte, der den Einzug ins Achtelfinale um die europäische Krone bedeutete und in der man unter anderem Stades Rennes, den Klub von Trainerlegende Bodo Pfannenschwarz eine derbe Ohrfeige verpasste, wartete in der ersten KO-Runde kein geringerer als der amtierende Meister einer der stärksten TMI-Ligen - der FC Livingston aus Schottland. Trainerfuchs Weber gab sich im Vorfeld zufrieden mit der Auslosung, durfte man doch zunächst auf der Insel antreten, was gemeinhin als Vorteil gilt.

Die Schotten, derzeit als Tabellenletzter in der Meisterschaft mit erheblichen Problemen, würden im eigenen Stadion aus einer sicheren Abwehr heraus ihr ewig gestriges Kick-and-Rush aufziehen, resümierte der Volksheld aus Mostar seine umfangreichen Analysen im Vorfeld. Dem Druck des Gewinnenmüssens auf seiten der Schotten stellte Trainerlegende Weber - von Kennern der Szene auch erfurchtsvoll als "Die Lichtgestalt" des europäischen Fussball bezeichnet - eine klassische Kontertaktik entgegen. Doch wie so oft kam alles ganz anders. Livingston ging früh in Führung und legte nach der Pause schnell zum 2:0 nach. Zrinjski, bis zu diesem Zeitpunkt erschreckend harmlos, schien bereits geschlagen, doch der Erfolgsgarant auf der Bank der Bosnier zauberte wieder mal ein As aus dem Ärmel. Er nahm Libero Verhijn Dertore vom Platz und brachte das erst 17-jährige Eigengewächs Machden Instor als weiteren Stürmer. Und wieder einmal bewies der Ehrenbürger und mehrfacher Träger des bosnischen Verdienstordens sein goldenes Händchen. Mostar schnürte forthin die Gastgeber in der eigenen Hälfte ein und erspielte sich Chance um Chance. Selbst nach dem geradezu zwangsläufigen 1:2 - Anschlusstreffer, der durch die EC-Arithmetik bereits eine gute Ausgangsposition für das Rückspel bedeutete, zeigte sich das Team aus Mostar weiterhin hungrig. Man spielte weiter mutig nach vorn und liess den Schotten kaum Luft zum Atmen, so dass kurz vor Ende der Partie noch der alles in allem verdiente Ausgleich erzielt werden konnte.
Startrainer Weber hatte in den folgenden Tagen alle Hände voll damit zu tun, die noch blutjunge Truppe auf den Boden zu bringen und die Euphorie zu
bremsen, zugleich jedoch die Moral des Hinspiels für den abschliessenden Vergleich im heimischen Hexinskesselski-Stadion zu konservieren.
Weber brütete lange über Aufstellung und Taktik, wollte sich auf kein Vabanque-Spiel einlassen und entschied sich schliesslich für ein breites
5er-Mittelfeld, das die Räume des Gegner fühzeitig zustellen sollte, um die gefährlichen Schotten gar nicht erst ins Spiel kommen zu lassen. "Murphy's Law" diktierte die immer zu Scherzen aufgelegte Trainerkoryphäe den Heerscharen der Journalisten später in die Mikrofone. Was war passiert??
Die Schotten erwischten erneut den besseren Start und gingen durch einen traumhaften Freistosstreffer mit 1:0 in Führung. Alle Taktik war dahin. Die noch unerfahrenen Bosnier zeigten sich sichtlich geschockt und überliessen den Schotten in der Folgezeit das Feld. Mit Glück und Geschick verhinderte man bis zur Pause weitere Tore der Gäste, die phasenweise geradezu leichtfertig mit ihren zahlreichen Einschussmöglichkeiten umgingen.
Nach dem Wiederanpfiff ein unverändertes Bild; die Schotten machten das Spiel und blieben jederzeit gefährlich. Mit der einzig gelungenen Kombination in diesem Spiel markierten die Gastgeber dann wie aus heiterem Himmel den Ausgleich und lösten damit einen Sturm der Begeisterung auf den restlos überfüllten Rängen aus. In den letzten 10 Minuten verlegte sich Mostar ausschliesslich auf Halten des Resultats. Die Schotten liefen blind an und versuchten es immer wieder aus der Distanz. Die Minuten verrannen und als die Fans im weiten Rund bereits den Einzug ins Viertelfinale der eurpäischen Königsklasse feierten, klatschte noch einmal ein Ball der Schotten ans Aluminium - für einen Augenblick war es totenstill im Stadion. Wenig später jedoch beendete der maltesiche Unparteiische diese dramatische Partie. Nun gab es kein Halten mehr. Die Fans stürmten den Platz und feirten ausgelassen mit ihren Idolen den grössten Erfolg der Vereinsgeschichte. Bis in die frühen Morgenstunden konnte man die Hupkonzerte
der kilometerlangen Autoschlangen bis weit über Mostars Grenzen hinaus vernehmen.
Zrinjski ist also weiterhin dabei, den europäischen Thron zu besteigen. Auf dem Weg dorthin wartet nun der englische Vertreter Queens Park Rangers und auch hier darf man zunächst bei den Briten antreten. 'El Nino', wie ein europäisches Fachblatt die bosnische Torfabrik unter der Woche bezeichnete, zieht also erneut über die Insel - wir sind gespannt!

Michael Weber

Optimismus vor dem Pyrenäen-Cup

07.06.01 - Rechtzeitig vor dem anstehenden Pyrenäen-Cup konnte die bosnische Nationalmannschaft zu alter Stärke zurückfinden. Nachdem Teamchef Strowig am vorangegangenen Wochenende besonderes Augenmerk auf den Sturm legte, galt es nunmehr die Abwehr wieder zu festigen und die
Nachwuchsspieler in das neue taktische Konzept einzubinden. Gegen Luxemburg gelang dies bereits ansatzweise, jedoch kam man hier nicht über ein 1:1 hinaus. Patrick Ernst, der sich zur Zeit in bestechender Form präsentiert, konnte seine Farben zwar früh in Führung bringen, doch nach knapp 20 Minuten stand das Ergebnis dieses wenig unterhaltsamen Kicks mit dem Ausgleich von Loew fest. Insbesondere das "Umschalten von Abwehr auf Angriff war ausschlaggebend", so Strowig, für die klare Leistungssteigerung gegen Georgien. Nicht zum ersten Mal gelangen die Balkan-Brasilianer auch in dieser Partie früh in Rückstand, doch der schnelle Ausgleich von Weber sorgte für die nötige Ruhe. In der Folgezeit war die Tormaschine der Bosnier von den hilflosen Georgiern nicht zu bremsen. Zunächst bereitete Patrick Ernst uneigennützig den 2:1 Führungstreffer durch Strowig vor, ehe Heiko Merz mit einem Freistosstorpedo für den 3:1 Endstand sorgte.
Bosnien blickt nun voller Optimismus auf die kommenden Aufgaben beim Pyrenäen-Cup und hat sich das Erreichen des Viertelfinales nach den letzten Erfolgen als Minimalziel gesetzt. 

Michael Weber