Ukraine
     

 

 
17.-20. Spieltag Lokalderby in Kiew endet überraschend deutlich NEU 05.07.01
Überblick Meisterschafts- und Abstiegskampf spannend wie immer 28.06.01

 
 
Lokalderby in Kiew endet überraschend deutlich

05.07.01 - An der Tabellenspitze setzt sich so langsam Niva Ternopol ab. In den letzten vier Spielen haben sie sich sechs Punkte Vorsprung erarbeitet. Gegen den direkten Verfolger Prek Ivano-Frankovsk konnte Ternopol am 17. Spieltag allerdings nur ein 1:1 holen. Die ersten zwei Punkte Vorsprung holte sich Ternopol, als sie am 18. Spieltag gegen Stal Altshevsk gewannen und Ivano-Frankovsk gegen den stark spielenden Aufsteiger FC Cherkasy unterlag. Nun war Cherkasy auch der ärgste Verfolger. Der dritte Punkt kam dann am 19. Spieltag dazu, als Ternopol mit 1:0 gegen Dnjepr Dnjeprpetrovsk gewinnen konnte und Cherkasy in einem hochklassigen Spiel in Altshevsk nur 3:3 spielte. Nun war Ivano-Frankovsk wieder der erste Verfolger. Am 20. Spieltag konnte dann von den ersten vier Vereinen nur Ternopol gewinnen. Ivano-Frankovsk unterlag dem Abstiegskandidaten Shaktar Donezk in einem sehr schwachen Spiel mit 1:0, Cherkasy konnte vor heimischem Publikum nur 1:1 gegen Dnjeprpetrovsk erspielen und Poligr. Olexandryia unterlag bei Metalurg Donezk mit 1:2. Jetzt haben die ärgsten Verfolger von Ternopol einiges aufzuholen. War dieses Wochenende vorentscheidend für den Kampf um die Meisterschaft? Es ist schon sehr überraschend, wie gefestigt die Abwehr von Ternopol in dieser Saison auftritt. In 20 Spielen hat sie gerade einmal 21 Gegentore zugelassen. Mit so einer Abwehr steht man auch vorne, wenn man nur den zehntbesten Sturm der Liga hat. Dieser Sturm steckt derzeit aber mehr in einer Torflaute. Man kann noch einiges von ihm erwarten.
 
Am 20.Spieltag kam es dann auch zum Topspiel des Wochenendes zwischen dem ZSKA Kiew und Dynamo Kiew. Beide Mannschaften laufen derzeit ihren hohen Erwartungen hinterher, denn ihr Saisonziel war die Teilnahme an einem internationalen Wettbewerb. Das noch durch den Ligabetrieb zu erreichen, wird ziemlich schwer. ZSKA hat aber noch die Chance auf den Pokalsieg.
Durch dieses Lokalderby waren die Strassen in Kiew brechend voll. Überall traf man schon vor dem Spiel feiernde Fans an. Die Anhänger von Dynamo waren sich sicher, dass man den kleinen ZSKA doch schnell abfertigen werde und dadurch wieder in Richtung der oberen Tabellenregionen unterwegs ist. Immerhin war Dynamo vor dem Spiel auf dem neunten Platz und sie haben seit längerem kein Spiel mehr verloren. So war die Erwartungshaltung der Fans sicherlich kein Übermut. Aber auch ZSKA hatte sieben Punkte aus den letzten drei Spielen geholt, so dass auch deren Fans berechtigte Hoffnungen auf einen Sieg hatten. Jedoch schienen die Fans von ZSKA realistischer zu sein. So sagte zum Beispiel einer: "Es wäre schön, wenn wir mit einem Tor Unterschied gewinnen könnten. Ich traue es der Mannschaft sicherlich zu, aber Dynamo hat in diesen Duellen immer sehr viel Glück, auch mit den Schiedsrichterentscheidungen!" Des Weiteren ist es schon fast sensationell, dass sich die Fans vor dem Spiel nirgends geprügelt haben. Sie gingen das Lokalderby relativ friedlich an.
Auch die Experten haben natürlich vor dem Spiel eine Einschätzung abgegeben. Alle erwarteten ein langweiliges Spiel mit maximal vielleicht einem oder zwei Toren. Die meisten tippten sogar auf ein 0:0. Es kam aber alles anders:
In den ersten Minuten war im Stadion nichts zu sehen. Weder das Spiel war gut, noch konnte man durch den ganzen Rauch viel erkennen. Nach elf Minuten war dann auch der letzte Rauch verzogen und gleichzeitig fing das Spiel an, interessant zu werden. Die Kulisse peitschte ZSKA nach vorne. Es grenzte fünf Minuten lang fast an ein Powerplay so wie im Eishockey, aber es kam kein vernünftiger Abschluss zustande. Ein abgefälschter Schuss brachte aber trotzdem eine Ecke ein. Diese trat der Mittelfeldregisseur gefährlich in den Strafraum, ein Fallrückzieher vom jungen Stürmertalent, und schon war der Ball im Netz. Unbeschreiblicher Jubel brach unter den Fans aus. Auch auf der Bank freute sich der Trainer Ralph Mathes überschwänglich. Er rief dem Trainer von Dynamo, Alexander Remde, noch etwas zu und dieser antwortete auch, nur konnte man nicht verstehen, was das hieß. Ein Lippenleser erzählte mir nach dem Spiel dies: Ralph Mathes: "Siehst du, so geht das!" Darauf antwortete Alexander Remde: "Auch ein blindes Huhn findet mal ein Korn!"
Das 1:0 in der 18. Minute rüttelte Dynamo zwar wach, doch die Abwehr von ZSKA stand ruhig und sicher. Nun kam auch Dynamo zu einem Eckstoss. Der Ball wurde in den Strafraum getreten, wunderschöner Flugkopfball, doch nur Latte. Ein Abwehrspieler von ZSKA schlug den Ball weit aus dem Starfraum in die gegnerische Hälfte. Der Libero von Dynamo wollte den Ball annehmen, doch er verkalkuliert sich. Da war dann auch schon wieder das Stürmertalent alleine unterwegs in Richtung Tor. Ein wunderschöner Heber und der Ball zappelte im Netz. 2:0 in der 34. Minute. Wieder war ein schelmisches Grinsen auf dem Gesicht von Ralph Mathes zu sehen, als er seinem Trainerkollegen folgendes zurief: "Schon wieder ein Korn! Nicht schlecht für blinde Hühner, was?" Aber darauf reagierte Alexander Remde gar nicht. Er trat nur heftig gegen eine Werbebande und verstauchte sich dabei den Fuss. Mit diesem Ergebnis von 2:0 ging es dann auch in die Halbzeit.
Nach der Halbzeit war dann wieder ZSKA am Drücker. Sie trugen einige schöne Kombinationen vor, die aber keinen Erfolg brachten. An der Außenlinie gestikulierte Alexander Remde wild herum. Seine Mannschaft schien die Halbzeitansprache wohl nicht verstanden zu haben! Da lief auch schon der nächste Angriff in Richtung Tor von Dynamo. Eine wunderschöne Flanke in den Strafraum, Kopfball des Stürmertalents, Tor! 3:0 in der 57. Minute. Nach diesem Tor humpelte auch Alexander Remde betrübt zur Bank zurück. Das war das erste Mal, dass er sich nach der Halbzeit hinsetzte. Hatte er schon resigniert? Die Freude bei allen ZSKA-Anhängern wuchs und wuchs. Würde man den großen Lokalrivalen deklassieren können? Nun kam es in der 69. Minute zu einem Freistoß für Dynamo. Der Torwart kam nach vorne, da der sonstige Freistoßspezialist in der Halbzeit ausgewechselt wurde und auch der Torwart technisch sehr beschlagen war. Anlauf, Schuss, Tor! Der Anschlusstreffer zum 3:1, und Alexander Remde war wieder voll da. Er roch, dass zumindest noch ein Unentschieden drin war. Nun hatte auch ZSKA zum ersten Mal in der zweiten Halbzeit Anstoß. Das Stürmertalent schiebt den Ball zu seinem Sturmkollegen, der passt zurück. 36 Meter vorm Tor machte das Stürmertalent den Eindruck als würde er abziehen, aber er trickste so nur seinen Gegenspieler aus, lief noch sieben Meter und zog dann ab. Ein Traumtor aus 29 Metern Entfernung! Der Ball schlug direkt in den Winkel ein. Mit seinem vierten Tor bewirbt sich der Stürmer für kommende Aufgaben in der Nationalmannschaft. Die 71. Minute war vorbei und es stand 4:1 für ZSKA. "Korn Nummer vier!" rief Ralph Mathes seinem Kollegen mit einem breiten Grinsen zu. Dieser setzte sich aber nur wieder hin.
In den letzten Minuten des Spiels passierte nicht mehr sehr viel. Dynamo spielte zu hektisch, da sie noch drei Tore aufholen wollten. Ganz ruhig und abgeklärt ließ die Abwehr von ZSKA aber keine nennenswerte Torchance mehr zu. Der Sturm von ZSKA wollte auch nicht mehr so recht. Aber das war den Fans von ZSKA egal. Sie sangen die gegnerischen Fans nieder und hatten einen richtigen Freudentag. Das Stürmertalent übrigens, man sollte sich den Nachnamen vielleicht merken, da er der künftige Nationalspieler werden könnte, heißt Remdov. Mit 19 Jahren war er schon der Matchwinner im Derby mit vier Toren und auch die anderen Saisonspiele spielte er nie schlecht.
Nach dem Spiel mussten sich dann die Experten berichtigen. Sie hielten es für sehr überraschend, dass das Spiel in dieser Höhe endete und dann noch für ZSKA. Außerdem merkten sie an, dass das Spiel doch wohl von höherer Qualität war.
ZSKA steht nun direkt vor Dynamo auf dem zwölften Platz.
 
Und hinter den beiden Vereinen beginnt auch schon der Abstiegskampf. Mit vier Niederlagen in Folge steht nun der Neuling Portovik Illischiwsk auf dem 14. Platz und hat nur noch einen Punkt Vorsprung auf die Abstiegsränge. Langsam merkt auch diese Mannschaft, dass sie lange Zeit über ihre Verhältnisse gespielt hat! Auf den Plätzen 15 und 16 stehen die beiden Kontrahenten im Pokalhalbfinale, Shaktar Donezk und Zakarpattya Uzhgorod. Für Shaktar ist es ernüchternd, dass Metalurg ihnen in Donezk so langsam den Rang abläuft und zur Nummer 1 in der Stadt wird. Auf dem 17. Platz steht Dnjepr Dnjeprpetrovsk. Dnejpr hat nun schon zwei Punkte Rückstand auf einen Nichtaufstiegsplatz. Einen weiteren Punkt dahinter steht Podillya Chmelnytskyj, der dritte Neuling! Wird es zwei der Neulinge am Saisonende erwischen? Ist das ein Zeichen dafür, dass die erste Liga doch eine höhere Leistungsdichte hat, als die Trainer in der zweiten Liga erwartet hatten? Auf jeden Fall bleibt der Abstiegskampf aber sehr spannend, da, wie man an diesem Wochenende gesehen hat, man sehr schnell die Abstiegsränge verlassen kann, aber auch ganz nach unten rutschen kann.

Michael Pleus

Meisterschafts- und Abstiegskampf spannend wie immer

28.06.01 - An der Tabellenspitze geht es wie immer eng zu. Es sind vier Vereine nur einen Punkt auseinander. An der Tabellenspitze steht Niva Ternopol, die sich trotz einer peinlichen 1:3-Niederlage beim Neuling Portovik Illischiwsk dort halten konnten. Direkt dahinter steht Prek. Ivano-Frankovsk, die durch ein 4:2 in einem kampfbetonten Spiel gegen Krivbas Krivoj Rog mit Ternopol gleichziehen konnten. Nur ein Tor trennt Ivano-Frankovsk und Ternopol voneinander. Mit einem Punkt Abstand folgt Tavria Simferopol.

Simferopol hatte es am 16. Spieltag mit Dnjepr Dnjeprpetrovsk zu tun. Wer konnte ahnen, dass dieses Spiel zum besten des Wochenendes werden würde? Dennoch sind sehr viele Fans von Simferopol mit nach Dnjeprpetrovsk gefahren. Sie hofften nach dem überzeugenden 5:1 am vorigen Spieltag auf einen weiteren Sieg, und sie wurden fürstlich entlohnt! Anfangs sah es aber nach einer Niederlage aus. Schnell ging Dnjeprpetrovsk in Führung. Nach sieben Minuten verwandelte der Torwart eiskalt einen Elfmeter. Vier Minuten später erhöhte der neue Starstürmer von Dnjepr auf 2:0. Wild tobte Jörg Lüdemann an der Außenlinie herum. War es die Angst vor der Ansprache in der Halbzeitpause oder war es die eh vorhandene Moral, die Simferopol wieder zurück ins Spiel kommen lies? In der 20. Minute fiel der 1:2-Anschlusstreffer nach einer Ecke. Der Torwart wollte den Ball wegfausten, erwischte ihn aber nicht richtig und er landete im eigenen Netz. Dieser Fehler war wohl ausschlaggebend dafür, dass Simferopol das Spiel schnell umdrehte, da der Torwart jetzt sehr verunsichert wirkte. In der 31. Minute konnte Simferopol nach einem schönen Alleingang des linken Außenstürmers ausgleichen. Aus 14 Metern zog er hab und versenkte den Ball im Winkel. Und nur sechs Minuten später ging dann Simferopol zum ersten Mal in Führung. Ein Freistoß des Mittelfeldregisseurs aus 23 Metern schlug genau links oben im Winkel ein - ein Traumtor!

Dann pfiff der Schiedsrichter zur Halbzeit. Die Moral von Dnjepr war jetzt gebrochen und Simferopol war wieder voll da.

Gleich zu Beginn der zweiten Halbzeit kam es für Dnjepr noch viel schlimmer. Wegen einer Notbremse wurde ihr Torwart vom Platz gestellt und der anschließende Elfmeter wurde verwandelt: 4:2 für Simferopol. Wie sollten sie nun noch das Spiel umdrehen können? Ein Mann weniger und zwei Tore Rückstand. Eine fast unmögliche Aufgabe! Simferopol spielte jetzt aus einer sicheren Abwehr heraus. Dnjeprpetrovsk war jetzt zwar immer öfter im Ballbesitz und in der gegnerischen Hälfte, aber es kam nichts konstruktives dabei raus. Anders auf der anderen Seite. Ein langer Abschlag des Torwarts von Simferopol, direkt in den Lauf des Stürmers. Dieser tänzelt noch einen Gegenspieler aus und hat freie Bahn zum Tor. Ein wunderschöner Heber über den Ersatztorwart bedeutete das 5:2 in der 79. Minute. Die Fans von Simferopol jubelten, und die von Dnjepr gingen nach Hause. Mit einem Sieg wollte sich Dnjepr ein wenig Luft nach unten hin verschaffen, nun wurden sie aber vorgeführt. In der 87. Minute flankte der rechte Mittelfeldspieler Simferopols in den Strafraum, der Stürmer legt ab. Strammer Schuss vom Mittelfeldregisseur: Tor! Das war dann auch der Endstand. Simferopol bezwang Dnjeprpetrovsk überzeugend mit 6:2. In dieser Verfassung werden sie ein Wörtchen im Titelkampf mitzureden haben.

Punktgleich auf dem vierten Platz steht Poligr. Olexandriya. Sie konnten sich mit einem 3:1 über Shaktar Donezk, das auch im tiefsten Abstiegskampf steckt, den Anschluss an die Spitze halten. Der Tabellenführer nach dem 13. Spieltag, Metalurg Saporoshje, der sich zwischenzeitlich einen recht komfortablen Vorsprung in der Tabelle erarbeitet hatte, konnte aus den letzten vier Spielen nur einen einzigen Punkt holen und rutschte so auf den fünften Platz ab. Ob sich der Verein wohl wieder fängt und im Kampf um die Meisterschaft mitspielt?

Genauso spannend wie der Kampf um die Meisterschaft ist der Kampf gegen den Abstieg. Die letzten sieben Vereine liegen nur sieben Punkte auseinander. Es sind beide Vereine von Kiew und Donezk vertreten, also wird es noch sehr heiß hergehen! Auf dem letzen Platz steht Zakarpattya Uzhgorod, das nur 14 Punkte hat. Uzhgorod hat die schlechteste Abwehr und den schlechtesten Angriff. Es sieht für diese Mannschaft sehr schlecht aus!

Am nächsten Spieltage kommt es zu diesen möglicherweise vorentscheidenden Duellen: Ternopol (1)- Ivano-Frankovsk (2), ZSKA Kiew (17)- Dnjeprpetrovsk (15) und Shaktar Donezk (16)- Uzhgorod (18).

Michael Pleus