Weissrussland
     

 

 
Nationalmannschaft Von praktizierter Nächstenliebe und rasierten Königinnen NEU 31.01.02
Nationalmannschaft What a weekend 24.01.02

 
 
Von praktizierte Nächstenliebe und rasierten Königinnen

31.01.02 - Aus Müslis heruntergefallenem Tagebuch (in Belarus gibt es keine freie Presse)

England - Die Besten: 1:1
Die Besten - Irland: 4:2
Die Besten - Moldavien: 0:1

Für England musste uns unser Trainer eigentlich gar nicht richtig motivieren. Jedem im Team war von vornherein klar, dass diese hochnäsigen
Luftlochschläger eine fette Abreibung verdient haben. Der Spielplan führte uns in ein verwunschenes Nest called Brädford. In der Gegend loderten
überall Scheiterhaufen, es roch nach gebrutzelten Schafen und wahnsinnigen Kühen. Seltsames Volk, diese Engländer. Wir konnten kaum die eigene Hand vor Augen sehen, dieser Rauch vermischte sich nämlich noch mit dieser klitschig-feuchten Nebelsuppe. Im Stadion angekommen klebte ein Schwarm von Schmeißfliegen an uns. Da sie sich vor allem für Präsi Hosh und Trainer Master Propper interessierten, konnte ich meine vorlaute Vermutung ob deren mißglückten Stuhlganges nicht zurückhalten. Mit garstigen Blicken wurde ich darauf hingewiesen, dass es sich bei den lästigen Schmeißfliegen wohl um die britische Presse handelt. Aha.
Kurz vor dem Anpfiff goss es aus allen Kübeln. Bei uns in Ossipowitsch oder Wedritzsch würde man da keinen Kläffer vor die Türe jagen - aber wir sollten da Fußball spielen. Igitt. Zum Glück hatte der Präsi bei seiner Inspektion der Trainingsbedingungen auf der offenen Atommülllagerstätte bei Pinsk einen Satz warngelb-leuchtender Regencapes eingesammelt - die mit dem großen Nuklearzeichen drauf. Möglicherweise lag es an denen, dass die Briten immer in gebührendem Abstand zu uns standen und somit nicht einen Zweikampf gewinnen konnten. Vielleicht lag es aber auch an unseren riesigen Regenschirmen mit der Aufschrift "God shave the Queen" die wir gegen Nässe und Gegner herumfuchtelten. So kamen die Britten eigentlich nur an den Ball, wenn wir während unserer kleinen Trainingseinheit das Sportgerät mal versehentlich über die Seitenlinie jonglierten. Aus Angst vor dem viel zu frühen Ballverlust versuchten die es mit Fernschüssen - doch aufgrund der Sichtbedingungen konnten die eh nur auf Gutdünken zielen. Da hatten wir
natürlich die bessere Idee: Irgendwann Mitte erste Halbzeit bekamen wir - warum auch immer - eine Ecke zugesprochen. Wir stellten uns in Gegners
Strafraum, schlossen unsere Regenschirme (pfui war das kotzpudelnass) und wedelten dieselben in Erwartung des Balles (irgendwann muss er ja mal
angeflogen kommen) über unseren Häuptern herum. Hehe, irgendwie zischte das Leder direkt auf Nikos Schirm und von dort in die Maschen. Sofort fielen wir auf die Knie, falteten theatralisch die Hände und priesen "Den Schirm Gottes". England Nnnnulllll, Belarus Bingo! Der Rest war nur noch Formsache. Die demoralisierten Britten brachten uns nicht ein einziges mal wirklich in Bedrängnis. Pünktlich nach 90 Minuten gingen wir dann vom Platz (Schlammloch wäre wohl der richtige Begriff), denn in der Kabine wartete der wärmende Wodka. Laut Auskunft unseres Geheimdienstes sollen die Britten noch weitergespielt haben - keine Ahnung ob sie bei den Sichtbedingungen noch was reißen konnten (angeblich ja, diese unfaire Bande). Das sollte uns bei unserer Jubelfeier auch nicht stören... 
PS: Auf dem Weg zum Flughafen erfuhren wir, dass die wahnsinnigen Rindfleischesser auch noch Protest gegen das Ergebnis einlegen wollten.
Namentlich die Herren Weber und Klug beschwerten sich, dass sie von belarussischen Spielern mit den Regenschirmen windelweich geprügelt worden
seien. Wegen der schlechten Sichtbedingungen blieben sie allerdings den Kamerabeweis schuldig. Fein gemacht, Dirk und Stefan. =))
 

Auf dem Heimflug nach Minsk stieg in London gleich das Team aus Irland zu uns in die Maschine. So ziemlich verklemmte Jungens, die sich vor jedem
Whiskey bekreuzigen müssen. (Naja, ich muss ja jetzt nicht über mein Feindbild Nr. 1 - die katholische Kirche - lästern, um nicht eventuelle
Leser dieser Notizen in ihren religiösen Gefühlen zu verletzen). Irgendwann fiel unserem Thorsten auf, dass diese Nasen von der grünen Insel alle
rothaarig und sommersprossig waren und meinte, dass Typen wie sie bei uns in Belarus von der Straße weggefangen werden und als Delikatesse im Kochtopf landen. Das muss diese Bubis wohl so sehr beeindruckt haben, dass sie am nächsten Tag in Mönchskutten - die Kapuzen tief ins Gesicht gezogen - im Stadion einliefen. Offensichtlich dachten sie: Lieber in der Tabelle rutschen als in die hungrigen Mägen einer weißrussischen Großfamilie. Im Gegensatz zu den englischen Luschen spielten die Kapuzianer recht flott mit. Immer wenn einer von uns den Ball bekam, hechelte auch schon ein sakraler Strampelanzug herbei. Vor Wut schoß ich an der Mittellinie den Ball einfach mal in die Höhe, so in Richtung Gegnertor. Hihi, vielleicht hätten sie die Kapuzen doch nicht so tief über die Stirn ziehen sollen - denn bevor sie die Bogenlampe erahnen konnten hatte die schon eingeschlagen. Yippie!!! Während wir noch ausgelassen jubelten (Jungs das näxte mal trampelt ihr bitte nicht so auf mir rum) nahmen die Rotschöpfe die Bedeckung vom Haupt, steckten den Ball einem in die Kapuze und der rannte in unser Tor. Feige Sippe! Und das Ding zählte auch noch, verdammt! Unseren Kai versetzte das dermaßen in Rage, dass er vom Anstoßpunkt weg mit der Kugel durch die feindlichen Abwehrreihen pflügte, den Tormann frech tunnelte und einlochte. Teufelskerl der Kai!!! Während wir noch ausgelassen jubelten (Jungs reißt euch zusammen der Kai hat blaue Flecke gekriegt) steckten die Rotschöpfe den Ball einem in die Kapuze und der rannte damit wiederum in unser Tor. Feige Sippe! Und das Ding zählte auch noch, verdammt! Uns versetzte das dermaßen in Rage, dass wir vom Anstoßpunkt weg sofort in die Kabine sprinteten, um unseren Frust mit einem Schlückchen Wodka fortzuspühlen. Zum Beginn zweiten Halbzeit steckten die Rotschöpfe den Ball einem in die Kapuze und der rannte direkt - hehe - gegen unseren Pfosten. Das versetzte uns dermaßen in gute Laune, dass die Kapuzianer von nun an nimmer mehr an den Ball kamen. Mehr als ein Lattenknaller von unserm kickenden Präsidenten kam allerdings auch nicht raus. Pünktlich nach 90 Minuten drängte es uns wieder in die Kabine (wieso eigentlich? :o) - Lediglich Dirk und die dicke Verteidigerin blieben noch auf dem Platz. Ich glaub die haben da sogar noch zwei Tore gemacht. Jaja, Liebe geht über den Vollspann...

Als Dessert unserer wöchentlichen Trainingseinheit servierte uns der Freundschaftsspielplan die ausgemerkelten Ex-Brüder aus Moldavien. Für diese
hungerleidenden Hobbykicker ist solch ein Auslandstripp eher eine Gourmetreise. Während die Jungens im Traktor-Vereinshaus gierig die dünne
Soljanka und das trockne Brot herunterschlangen, schlemmerten wir im Hotel "Komsomol" an saftigen Schweinehaxen an Saucelawodka. Wie bei jedem Länderspiel in der Traktorena muss der Hauptsponsor natürlich seine neuesten Landmaschinen vorführen. Die agrartechnisch hinter dem Mond lebenden Moldavier zeigten sich schon interessiert und verfolgten detailliert, wie der Rasen im im Traktorstadion noch einmal richtig umgepflügt wurde. Da wir dieses Schauspiel zur Genüge kennen, hatten wir natürlich Gelegenheit, uns am Vereinsthresen noch einmal richtig die Kante zu geben. Wussten wir doch, dass die Kollegen mit solch einer Huckelpiste dann eh nicht umzugehen wissen. Ok, ok, wir offensichtlich auch nicht. Wir sind ja eigentlich ne recht trinkfeste Truppe - aber der Wodka vom Hotel Komsomol war wirklich vom feinsten. Wir kickten halt lustlos rum, beschränkten uns auf das nötigste. Irgendwie hatte niemanden den Moldawiern gesagt, dass wir in Freundschaftsspielen wert auf eine verlängerte Halbzeitpause legen. Während wir halt ab der 35. Minute so pö a pö am Vereinsausschank eintrudelten (natürlich unter den Gesängen wie: alle Wege zur Theke, wir schwänken zum tränken, wir schwanken zum tanken...) müssen die unsportlichen Kleingeister aus Moldawien tatsächlich die Gelegenheit genutzt haben um uns ein Ei ins Nest zu legen. Pfui! kann ich da nur sagen, so schamlos wird unsere Gastfreundschaft ausgenutzt. Und glaubt ihr die haben sich dafür entschuldigt? Von wegen. Als wir - halt wie bei Freundschaftsspielen üblich - ab der 80. Minute so pö a pö unseren verlängerten Feierabend
gönnten, setzten die wiederum alles dran, uns noch einen einzuschenken. Zum Glück reagierte der Hauptsponsor sofort und schickte seine Landmaschinen noch einmal aufs Feld - die zu umspielen war dann auch für diese unfaire Bande nicht so einfach.

Fazit: Den Engländern die Queen rasiert, die irren Kapuzianer in der Nachspielzeit vernascht und den undankbaren Moldaviern unsere Nächstenliebe
bewiesen - nur wir haben einfach besser gegessen *höhö* Jedenfalls mal wieder ein Wochenende nach Maß!

Jan Berger

What a weekend

24.01.02 - Aus Müslis heruntergefallenem Tagebuch (in Belarus gibt es keine freie Presse)

What A Weekend! Belarus ist Tabellenführer der Super-Euro-Liga - das gab es noch nie und wird es so schnell auch nie wieder geben. Jedenfalls nicht in
Kombination mit DREI Heimspielen an solch einem Wochenende. Kein Wunder dass ganz Weißrussland eine einzige Party-Zone war. Der Freiwodka - von Oberlugaschenkow höchstpersönlich angeordnet - wurde fässerweis durchs Land gerollt. Selbst aus dem gottverlassenen Pinsk und aus dem verfluchten Orscha reisten Baumwollpflücker und Schmuggler nach Minsk. Und weil das Fassungsvermögen des Dynamostadions schon bald erschöpft war, stellte der Geheimdienst vor der Oper und dem Nationaltheater die verstaubten Jubeltribünen auf - selbst flammendrote Winkelemente wurden verteilt. Im Stadion selbst die Hölle los. Der Trainer der völlig verstörten Gäste aus Norwegen verteilte seinen Spielern Ohropax, damit sie wenigstens nichts hören wenn sie wegen der Rauchbomben schon nichts sehen. Wir hingegen begannen schon vor dem Spiel mit den Ehrenrunden. Wann kann man sich schon so unendlich feiern lassen? Nachdem wir der Runden etwa 15 gedreht hatten, kam unser superschlauer Trainer Poppe auf eine geile Idee: Unser Team sollte schneller sein als die pausenlose Laola-Welle die durchs Stadion kreiselte. Das gelang uns zwar nicht ganz, aber wir konnten dann wohlerwärmt zum Spiel antreten. An der Anzeigetafel stand da zwar ein 0:2, doch das muss ein Versehen gewesen sein. Der Geheimdienst lässt sich ja immer mal so etwa einfallen, um die Gegner zu verwirren. Zur zusätzlichen Verwirrung sollte auch beitragen, dass unser Knipser Dirk nicht selbst auflief. Stattdessen schickte er die dicke Verteidigerin ins Rennen, die er dem Traktorteam großzügigerweise abgenommen hatte. Bei uns zählt ja nicht dringend der Sieg, sondern vor allem der Spaßfaktor. Und mit der dicken Verteidigerin ging es auch gleich irre los: Weil sie bei Traktor ständig gedeckelt wurde, hat sie auf ihrem Haupte ne recht dicke Kerbe. Dort legte unser Torwart den Ball hinein und schickte sie so zum gegnerischen Tor. Die Norweger lagen vor Lachen am Boden (das passiert immer wenn die dicke Verteidigerin in Aktion tritt). Vor dem Gegnertor machte sie einen Hüpfer, ließ das Leder nach unten springen und jagte es mit Karacho über das Tor. Ok, Dirk selbst hätte den wohl reingemacht - doch man muss ja dem Publikum was bieten... Danach begannen wir unser gepflegtes Doppelpassspiel - die taubblinden Wikinger kamen nur ein oder zwei mal an den Ball *höhö*. Dann kam der Halbzeitpfiff - nojo, unsere Sturmperiode hatten wir uns eh für die zweite Hälfte aufgehoben. Also erstmal kurz in die Kabine und uns am
wohltemperierten Wodka erfrischen. Dann meinte der Zeugwart (der Idiot mit dem Zählfimmel) dass schon Schluss ist und wir zur ersten Halbzeit gar nicht angetreten waren. Nun gut - dann halt nochmal raus und die Häupter des immer noch feiernden Publikums mit Wodka netzen - Fußball ist einfach geil geil geil...

Weiter ging unser Siegeszug Richtung Brest. Die Traktor-Werke stellten fünf ihrer neuesten Modelle mit offenen Anhängern zur Verfügung. In der
Treckerkarawane zogen wir durch Belarus - das ganze Land eine Laola. Jedem am Weg liegenden Bauernhof statteten wir einen Höflichkeitsbesuch ab,
unterschrieben fleißig Autogramme (btw: Thorsten der schlimme Finger hat sich dabei auf die T-Shirts der vollbusigen Landschönheiten spezialisiert)
und verschmähten selbstverständlich den reichlich dargebotenen Wodka nicht. Wir kamen wohl etwas verspätet in Brest an, aber wohl noch pünktlich zum Anpfiff. Auch hier hatte der Geheimdienst wohl wieder getrickst, denn an der Anzeigetafel prangte ein 0:1. Die Nasen aus SanMarino - wo auch immer das ist - gelten als abgefeierte Altstars, die keinen Bock auf Championliga und so haben. Und genau so spielten sie. Immer wieder liefen sie ins Leere, kamen NICHT EIN EINZIGES MAL ans Leder. In der 27. Minute wippelte unser Knipser Dirk so gemütlich vor sich hin und ließ dann das Rund in den Nacken fallen - das hat er auf einer Zirkusschule in Moldawien gelernt. Normalerweise verblüfft er uns im Training immer, wie er in dieser Position
einen Flachmann Wodka auf Ex leert - aber diesmal rannte er mit dem Ball ins Gegnerische Tor. Irre der Mann! Jedenfalls hat die Aktion unsere Gegner so verwirrt, dass sie nicht mehr zur zweiten Halbzeit antraten. Nojo, uns war eh mehr zum Feiern zumute...

Zum Abschluss des schönen Wochenendes hatte uns der Präsi noch das sonnige Spanien versprochen. Ich muss da wohl was verwechselt haben, denn statt in Mallorca landeten wir in unserem miefigen Witebsk. Um uns zu trösten, hatten uns die Gäste drei Eimer Sangria in die Kabine gestellt. Bei dem Gesöff ist es kein Wunder, dass die so kacke Fußball spielen. Aber eins hatten wir uns vorgenommen: Zumindest diesmal spielen wir über 90 Minuten und zeigen dem Publikum wie unschlagbar Belarus wirklich ist. Es lief auch prächtig an. Unser Poppe hatte uns für diese kleine Trainingseinheit "halbhoch" angeordnet, also übten wir uns fleißig in Akrobatik. Während der ersten Halbzeit ist der Ball wohl etwa 2 mal zu Boden gefallen (jaja, der Erik hat gepennt), aber die Iberier kamen dabei nicht einmal an die Kugel. Kurz vor Ende der ersten Halbzeit stellte sich der Stefan vor Gegners Tor und nickte unbedrängt ein. In Hälfte Zwei ließen wir die Gegner eigentlich auch nur ins Leere laufen. Unser fantastisches Publikum sparte selbstverständlich nicht mit Hohn und Spott *hihi*. Jedenfalls irgendwann nach 70 Minuten legte ich an der Mittellinie recht ungeschickt für Thorsten auf. Der konnte den Ball gerade noch so ersprinten und feuerte das Ding in Richtung Tor. Leute was soll ich euch sagen: Die Kugel trillerte eine halbe Minute lang zwischen Latte und Torlinie - Wembley war wohl nen Scheiß dagegen. Die Spanier standen rum und guckten einfach nur ungläubig zu. Während dieser Vorstellung (die Holzlatte in Witebsk verlor dabei haufenweis an Spänen und Farbe) muss die Kugel wohl drei Mal die Torlinie überquert haben, denn der Schiedsrichter meinte jetzt steht es 4:0. Den Rest des Spieles verbrachten wir in der Sprecherkabine und schauten uns das Tor des Jahres immer wieder in Zeitlupe an. Also meiner Meinung nach waren das 7 Tore, aber ich bin ja kein Erbsenzähler. Während dieser Zeit sollen die Spanier auch noch Tore geschossen haben, aber wen interessiert das schon. What A Weekend!!!

Jan Berger